Herzlich Willkommen imBerufsBildungsWerk Greifswald

Aktuelles

Die Aufnahme in die BVB Maßnahme bedeutet der Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Es heißt auch zum ersten Mal Abschied nehmen von der Familie, von zu Hause, wohnen in einer anderen Umgebung und neue Menschen kennenlernen, Freunde finden.

Sie kommen aus ganz Deutschland, ihre Heimatorte sind genauso unterschiedlich wie die Jugendlichen selbst, die Rede ist von den neuen Teilnehmer*innen in der berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme. Mit der Einschreibung in die BVB Maßnahme gehen diese Jugendlichen den ersten Schritt in Richtung Berufsleben. Viele junge Menschen schaffen es nach ihrer Schule nicht in eine Berufsausbildung. Das BBW Greifswald bietet deshalb neben vielen Ausbildungsberufen auch die berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen an, um die Teilnehmenden fit für eine Lehre zu machen.

Zunächst geht es darum herauszufinden welcher Beruf zu den individuellen Bedarfen der Teilnehmer*innen passt. Den richtigen Ausbildungsberuf zu finden ist dabei gar nicht so leicht. „Wer sein Ziel kennt, findet einen Weg – auf diesem begleiten wir die Teilnehmer*innen und helfen dabei ihre ganz eigenen Ziele zu definieren,“ unterstreicht Martin Meklenburg, Teamleiter in der Berufsvorbereitung.

Die Begleitung der Jugendlichen in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung umfasst eine umfassende Berufswegeplanung. Für jeden Jugendlichen schließt das auch das Abstecken der individuellen Rahmenbedingungen, für eine weitere pädagogische, medizinische und psychologische Förderung, während der anschließenden Berufsausbildung ein. „Insbesondere die gestiegenen Anforderungen in den Ausbildungsberufen und die veränderte Lage auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt stellen für viele Jugendliche eine Hürde da. Wir sind die Brücke zwischen den jungen Menschen und der Berufswelt“, betont Artur Apinyan, Sozialpädagoge in der Berufsvorbereitung.

Im vergangenen Jahr konnten 57 Teilnehmer*innen aus der BVB erfolgreich in die Ausbildung wechseln.

Als Doris Corsmeyer im November 1990 als Erzieherin anfing, gab es das BBW in der Greifswalder Pappelallee, so wie wir es heute kennen, noch gar nicht. Kein einziges Gebäude stand, dafür aber die Vision, junge Menschen mit Behinderung auf dem Weg in ihre berufliche Zukunft zu begleiten. Von Anfang an dabei: viel Herzblut und Eigeninitiative.

Doris Corsmeyer blickt auf ein aktives Arbeitsleben im BerufsBildungsWerk Greifswald zurück – zunächst als Erzieherin, später als Führungskraft im Wohnbereich und in den letzten Jahren als Fachreferentin. „Die ersten Jahre im BBW waren getragen von Aufbruch und Pioniergeist. Dabei hat mich stets meine Vision getragen, mich für die jungen Menschen mit Behinderungen einzusetzen. Es gab immer wieder neue, andere und schönere Herausforderungen und ich habe all die Jahre immer sehr gerne hier gearbeitet,“ unterstreicht die Greifswalderin. Im Laufe der Jahre gab es viele Veränderungen, auch nicht immer ganz einfache. „Manchmal habe ich gedacht, ich sitze im D-Zug und die Zeit rauscht an mir vorbei. Trotzdem konnte ich mir die Zuversicht für diese tolle Aufgabe stets bewahren,“ betont die frischgebackene Ruheständlerin.

An ihren drei Eckpfeilern hielt Doris Corsmeyer immer aber fest: Toleranz, Respekt und Freundlichkeit gegenüber den Kolleg*innen. Wohl gerade deshalb ist sie zu einer wichtigen Anlaufstelle für Mitarbeiter*innen und Teilnehmer*innen geworden. Ihr leidenschaftlicher Blick auf neue Wege hat so manche Person in ihrem Umfeld inspiriert.

„Wir alle haben Doris Corsmeyer immer als wertvolle Impulsgeberin erlebt. Ihr ist es gelungen, die Menschen für ihre Themen zu begeistern, sie zu motivieren. In aller erster Linie aber hat sie sich immer für unsere Jugendlichen eingesetzt, dass wir immer der beste Ort für die Menschen bleiben, die uns brauchen. Aus diesem Antrieb heraus hat sie wichtige - auch kritische Impulse für Veränderungen gegeben“, unterstreicht Stefanie Niemeyer, Bereichsgeschäftsführerin des BBW Greifswald. Neben Schwerpunkten wie Inklusion, ICF, Suchtprävention oder Medienpädagogik war Doris Corsmeyer auch über unser BBW hinaus präsent und hat innerhalb der Bundesarbeitsgemeinschaft der BBWs durch ihre Mitarbeit z. B. im Fachausschuss ICF und im Fachausschuss Qualität Spuren hinterlassen.

Bei all den unterschiedlichen Aufgaben und Tätigkeitsfeldern gab es einen Platz in der Pappelallee 2 an dem sie einkehren und ihre Gedanken neu ordnen konnte: die Ausbildungscafeteria im Tagungs- und Freizeitzentrum. Für sie war dieser Ort ein Treffpunkt für die Kollegen, ein Freizeitmekka für Teilnehmende und ein Parkett für Veranstaltungen unterschiedlichster Themenpotpourris. Bis zuletzt behielt sie ihre positive Sichtweise auf die Welt bei und trug damit wesentlich zur Haltung im Unternehmen bei. „Mit Frau Corsmeyer geht eine Kollegin, die unser BBW mit aufgebaut hat und ein enormes Organisationswissen besitzt. Gleichzeitig hat sie wesentlich zur Entwicklung unserer Werte und unserer Identität beigetragen,“ betont Dr. Michael Bartels, Geschäftsführer der Diakoniewerk Greifswald gGmbH.

Ihren Ruhestand sieht Doris Corsmeyer als eine Chance auf Veränderungen, der ein Zauber innewohnt. Ihr abschließender Rat an die Kolleg*innen: „Man sollte aufmerksam und offen dafür sein, neue Teilnehmende und ihre ganz eigene Sicht auf die Welt kennenzulernen. Es ist gut, auch mal über den Tellerrand zu schauen“.

„Auf Bruno Schreier bin ich durch meine Prüfertätigkeit bei der IHK-Neubrandenburg gekommen. Das BerufsBildungsWerk Greifswald ist für uns sozusagen eine Prüfstelle. Durch seine guten Leistungen hat Bruno Schreier geglänzt und mich am Ende dann auch überzeugt“, betont Kai Düwell, Ausbildungskoordinator bei Weber Maschinenbau GmbH Neubrandenburg. Der Neubrandenburger ist aktuell für 34 Azubis im technisch-gewerblichen Bereich zuständig. Seine Schützlinge zeichnen sich durch ganz unterschiedliche Stärken aus. „Herr Schreier hat zum Beispiel eine enorm hohe Auffassungsgabe und ist dementsprechend in der Baugruppenvormontage schon sehr überzeugend, denn er merkt sich sehr viel“, unterstreicht der ehrenamtliche Prüfer.

Doch wie sieht eigentlich der Arbeitsalltag des Jugendlichen aus? Auf diese Frage antwortet der ehemalige Teilnehmer: „Ich nehme mir die Aufträge raus, baue sie zusammen und liefer sie weg“. Klingt im ersten Moment ganz einfach. War es aber nicht von Anfang an. Um die Prozesse zu verstehen bedurfte es eines konkreten Einarbeitungsplans. Hier durchlief der Greifswalder die einzelnen Abteilungen, um die Arbeit beim Familienunternehmen zu verstehen und von der Pike auf zu lernen und gleichzeitig eine Verbindung zum Team aufbauen zu können. Bruno Schreier ist seit Beginn seiner Ausbildung im BBW bis hin zur Arbeit in der Baugruppenmechanik in Neubrandenburg einen erstaunlichen Weg gegangenen. Gemeinsam mit den Erziehern im BBW und den Ausbildern für den gewerblich-technischen Bereich Rico Kujus und Holger Kalb musste der 20-Jährige nicht nur die Ausbildungsinhalte lernen, sondern auch gleichzeitig den Umgang mit seiner Autismusspektrumstörung (ASS). „Ich bin dankbar für Herrn Kalb und Herrn Kujus, alleine schon für die Prüfungsvorbereitung. Mein Plan ist jetzt erst einmal ankommen. Ich will noch ein bisschen Erfahrung sammeln und dann schauen wo mich das Leben hinführt,“ beschreibt Bruno Schreier. Ein wesentlicher Baustein für einen gleichberechtigten Zugang von Menschen mit ASS zum ersten Arbeitsmarkt ist eine erfolgreiche Ausbildung mit individuellen Unterstützungsangeboten. Die besten Chancen aus Bildung und das deutschlandweit erhalten junge Menschen mit ASS durch das BBW Greifswald. Dies unterstreicht das seit 2019 verliehene bundesweit bestehende Gütesiegel „Autismusgerechtes Berufsbildungswerk – empfohlen durch autismus Deutschland“.

„Unser gemeinsames Ziel ist es, die Qualifikation und Teilhabe von jungen Menschen mit Autismus regelmäßig zu verbessern, um ihnen den bestmöglichen Start ins Berufsleben zu ermöglichen“, unterstreicht Anja Weichelt, Fachreferentin für Autismus im BBW Greifswald. Die Bedenken gegenüber dieser Krankheit konnten schnell beim künftigen Arbeitgeber abgebaut werden. „Herr Schreier macht das wirklich super, er nimmt sich ab und zu mal seine Auszeit indem er dann wirklich an seinem Arbeitsplatz alleine für sich arbeitet,“ betont Kai Düwell. Und wenn doch noch Fragen aufkommen können diese im ständigen Austausch mit den Fachkollegen des BBW auf kurzem Weg geklärt werden. Am Ende hat Bruno Schreier durch seine Leistungen überzeugt und zeigt damit einmal mehr, wie eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt aussehen kann.

Weitere Informationen finden Sie unter: Integration in den Arbeitsmarkt: ein Praxisbeispiel "Weber Maschinenbau GmbH" - YouTube