Herzlich Willkommen imBerufsBildungsWerk Greifswald

Aktuelles

Das Berufsbildungswerk Greifswald hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt – fachlich, strukturell und inhaltlich. Während das BBW bislang vor allem für seine Spezialisierung im Bereich Autismus stand, wird heute ein umfassenderer Ansatz verfolgt, der sich an der gesamten Bandbreite der Neurodiversität orientiert. Damit soll ein Lern- und Arbeitsumfeld geschaffen werden, in dem sich alle jungen Menschen mit Förderbedarfen gesehen, verstanden und unterstützt fühlen. Die neuen Qualitätskriterien des BBW sind dafür ein wichtiger Baustein – und ein klares Signal für unseren Anspruch, moderne berufliche Bildung noch inklusiver zu gestalten. 

Warum dieser Schritt?
Die Auszubildendenstruktur hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert: Heute begegnet man gleichermaßen jungen Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) wie auch mit Aufmerksamkeitsdefizit-/(Hyperaktivitäts-)Störung (AD(H)S). Diese Vielfalt ist eine Bereicherung – und zugleich ein Auftrag, die pädagogische Arbeit noch breiter aufzustellen.

Aus diesem Grund haben wir uns gegen eine Re-Zertifizierung für das Gütesiegel „Autismusgerechtes BBW“ (2021 bis 2024) entschieden. Stattdessen gehen wir einen Schritt weiter: Um allen Teilnehmenden gerecht zu werden, wurden in den zurückliegenden Monaten die hauseigenen Qualitätskriterien weiterentwickelt, die bewusst über die Zielgruppe des früheren Gütesiegels hinausgehen. Als neues neurodiversitätsorientiertes Fundament für unsere Arbeit definieren sie verbindliche Standards im Umgang mit allen Auszubildenden. Darin sind gleichermaßen die Bedarfe von Auszubildenden mit ASS, mit AD(H)S und anderen Förderbedarfen berücksichtigt. Mit diesem neuen Ansatz wird unterstrichen, dass wir unsere Auszubildenden als vielfältige Persönlichkeiten mit individuellen Stärken und Herausforderungen sehen. Neurodiversität ist ein Leitgedanke, der unsere Haltung prägt und unsere pädagogische Praxis weiterentwickelt. 

Diese hauseigenen Qualitätskriterien wurden gemeinsam mit externen Partnern, unter anderem mit dem Beratungsdienst Autismus Greifswald, dem Landesverband Autismus sowie verschiedenen Autismus-Zentren erarbeitet. Grundlage bilden sowohl aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse als auch langjährige Praxiserfahrungen unserer Fachkräfte.

Der Fachdienst Neurodiversität 
Ein Baustein der neuen Qualitätskriterien ist die Weiterentwicklung des Fachdienstes Autismus zum Fachdienst Neurodiversität. Zertifizierte Trainerinnen beraten, unterstützen und coachen als Teil des Teams Fachdienste – neben Tagespädagoginnen, Ergotherapeutinnen und Psychologinnen – die Teilnehmenden in ihrem persönlichen Umfeld. Darüber hinaus stehen den einzelnen Reha-Teams bei besonderen Fragestellungen in allen Phasen von Berufsvorbereitung und Ausbildung zur Verfügung.

Ziel ist dabei nicht nur die Erreichung eines Ausbildungsabschlusses, sondern eine nachhaltige und ganzheitliche Lebensperspektive. Weitere Ziele:

  • Aufbau sozialer, personaler und methodischer Kompetenzen
  • psychische Stabilität
  • Wiederherstellung bzw. Erhalt von psychischer Belastbarkeit & Leistungsfähigkeit
  • Abbruchprophylaxe und Reduzierung von Ausfallzeiten
  • Krisenmanagement und Entwicklung von Problemlösungsstrategien

Damit verbundene Aufgaben des Fachdienstes Neurodiversität sind unter anderem:

  • Einzelcoaching und Gruppenarbeit
  • Erarbeiten von individuellen Strukturierungs- und Orientierungshilfen
  • Vermittlung von Selbstregulationstechniken
  • Bestärkung der Selbstwirksamkeit der Teilnehmenden
  • Krisenintervention
  • Unterstützung und Beratung der Reha-Teams
  • Konzeptionelle Arbeit und Organisationsentwicklung
  • Netzwerkarbeit; Mitwirkung in Gremien und Arbeitsgruppen
     

Die vier Tage waren geprägt von einer offenen, motivierenden Lernatmosphäre, in der sich alle aktiv eingebracht und gegenseitig unterstützt haben. Im Mittelpunkt stand ein verständlicher und praxisnaher Einstieg in die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF). Die Gruppe bekam einen klaren Überblick darüber, wie die ICF entstanden ist, welche gesetzlichen Grundlagen dahinterstehen und warum sie heute eine so wichtige Rolle im bio psycho sozialen Verständnis von Gesundheit spielt.

Ziel war es, die ICF als gemeinsame Sprache im Reha  und Teilhabekontext sicher anwenden und später im eigenen BBW weitergeben zu können. Die Schulung kombinierte Hintergrundwissen mit vielen praktischen Übungen. Dazu gehörten:
•    die Nutzung der ICF Skalen, um Ressourcen und Barrieren systematisch einzuschätzen
•    interdisziplinäre Zusammenarbeit auf Basis eines gemeinsamen Verständnisses von Teilhabe
•    ICF basierte Förderplanung
•    Fallbeispiele, Übungen aus dem Alltag der BBW und Reflexion eigener Vorgehensweisen
So konnten die Teilnehmenden direkt ausprobieren, wie die ICF im Arbeitsalltag unterstützt und Orientierung gibt.

Die Schulung wurde von sechs erfahrenen Referent*innen gestaltet – allesamt langjährige ICF Multiplikator*innen. Mirko Feuerhahn und Verena Drescher aus den BBW Hannover, Birgit Heimann und Sünje Matzen aus dem BBW Husum, Anja Schneider aus dem BBW Greifswald und Maren Dierlamm aus dem BBW Waiblingen. Sie gaben nicht nur ihr umfangreiches Wissen und ihre Praxiserfahrungen weiter, sondern vermittelten auch die Haltung, die mit der ICF verbunden ist: ressourcenorientiert, respektvoll, teilhabeorientiert und immer mit dem Blick auf die individuellen Stärken junger Menschen.

Ein großer Gewinn war der intensive Austausch untereinander. Menschen aus ganz unterschiedlichen Berufsrollen brachten ihre Erfahrungen ein, diskutierten Praxisbeispiele und entwickelten gemeinsam neue Ideen für die Anwendung der ICF. Dabei wurde deutlich, wie wertvoll verschiedene Perspektiven sind, wenn es darum geht, eine gemeinsame Fachsprache weiterzuentwickeln.

Mit ihrem Engagement tragen die neuen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren dazu bei, die ICF in den Berufsbildungswerken weiter zu verankern und die Qualität der Arbeit langfristig zu stärken. Unterstützt wird das durch die regelmäßigen Austauschformate der ICF Multiplikator*innen, in denen gemeinsam an der Weiterentwicklung der ICF Praxis gearbeitet wird.

Einige von ihnen wuchsen in der praktischen Prüfung regelrecht über sich hinaus – entsprechend beeindruckend sind die vielen guten und sehr guten Ergebnisse. Besonders freut uns, dass viele der frischgebackenen Facharbeiter ihren Ausbildungsbetrieben treu bleiben und nun bei der Cosun Beet Company in Anklam sowie der EWN Lubmin in ihren nächsten beruflichen Abschnitt starten.

Dass im BerufsBildungsWerk Leidenschaft zum Beruf werden kann, das zeigt der beeindruckende Ausbildungsverlauf von Tom Rochow. Der 22-Jährige hat seine Begeisterung für's Schweißen im BerufsBildungsWerk Greifswald entdeckt. Während seiner Auftragsausbildung zum Industriemechaniker (EWN Lubmin) erhielt er von unseren Ausbildern das nötige Know-how – und das mit großem Erfolg: Er belegte unter anderem den 3. Platz bei den Deutschen Meisterschaften „Jugend schweißt“ 2025 und ist amtierender Landesmeister Mecklenburg-Vorpommern. Darüber hinaus hat er seine dreieinhalbjährige Ausbildung vor wenigen Tagen mit einem herausragenden Ergebnis abgeschlossen. Rochow erzielte 99 Prozentpunkte in der praktischen Prüfung und ein Prüfungs-Gesamtergebnis von 92 Punkten. 

Für den weiteren Weg wünschen wir allen Absolventen viel Erfolg und jede Menge Rückenwind! Wir sind stolz auf alle Azubis und ihre Ausbilderinnen und Ausbilder, die zu diesem tollen Ausbildungserfolg beigetragen haben.

Auftrags- und Modulausbildung im #berufsbildungswerkgreifswald: 
Das BerufsBildungsWerk Greifswald ist Ausbildungspartner für Unternehmen und Betriebe und unterstützt, wenn nicht alle Ausbildungsinhalte selbst abgedeckt werden können. Ob komplette Ausbildung, einzelne Module oder gezielte Prüfungsvorbereitung – wir übernehmen flexibel die Bausteine, die Unternehmen benötigen. Mit modernen Werkstätten, erfahrenen Ausbilderinnen und Ausbildern und einem breiten Berufsspektrum sichern wir gemeinsam qualifizierte Fachkräfte für die Region.

Veranstaltungen im BBW Greifswald

Tanzcafé Greifswald | Tagungs- und Freizeitzentrum im BerufsBildungsWerk
Infoabend: Der Weg ins BBW BerufsBildungsWerk Greifswald
Infoabend: Der Weg ins BBW BerufsBildungsWerk Greifswald
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